Zell am Neckar... ...mehr als nur ein Stadtteil von Esslingen
Zell am Neckar......mehr als nur ein Stadtteil von Esslingen

Entwicklung der Einwohnerzahlen durch politische Ereignisse

Seit ihrem Anbeginn befindet sich die Menschheit auf Wanderschaft. Anders als in der heute oft zitierten Redewendung “Der Weg ist das Ziel“, war es einst das Ziel, das die Menschen zum Aufbruch veranlasste. Ein Ziel, an dem die Menschen bessere Ernten erwarteten als am seitherigen Standort. Heute ist es zum Beispiel das Angebot an Arbeitsplätzen, das Menschen aus anderen Bundesländern, sogenannte “Reingeschmeckte“ zum Beispiel auch nach Baden-Württemberg zieht. Bei vielen Menschen, die aus dem Ausland zu uns kommen, ist es die Furcht um das eigene Leben durch Kriegshandlungen im Heimatland. Sie hoffen, bei uns Asyl zu bekommen.

 

Wessen Leben oder Freiheit in seinem Herkunftsland, durch Krieg, wegen seiner Volkszugehörigkeit, Religion, Staatsangehörigkeit, oder Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, wegen seines Geschlechts, oder wegen seiner politischen Überzeugung bedroht ist, hat eine Recht auf Asyl. Mit dem diffamierenden Begriff “Wirtschaftsflüchtling“ versuchen Fremdenfeinde und Flüchtlingsgegner Stimmung in der Bevölkerung zu machen, da sie unterstellen, dass die Geflüchteten nicht verfolgt würden, sondern aus rein ökonomischen Gründen nach Deutschland kommen. Tatsache ist, dass der größte Teil der nach Deutschland Geflüchteten aus Bürgerkriegsländern kommt. Unbestritten ist dabei, dass viele der Geflüchteten hier ihre ökonomischen Bedingungen verbessern.

 

Bei der Diskussion Kriegsflüchtlinge oder Wirtschaftsflüchtlinge wird gern vergessen, dass im 18. und 19. Jahrhundert Deutschland das Land war, aus dem die Menschen wegen ihrer Armut auswanderten, was einer Flucht gleichkommt. Teilweise wurden sie von deutschen Behörden regelrecht abgeschoben. Zitat aus der Kreisbeschreibung des früheren Landkreises Nürtingen von 1950: „Die große Not zwischen 1850 -1854 zwang die Gemeinde ihren Ortsarmen das Reisegeld nach Peru zu geben… Die Gemeinde bat um einen Staatbeitrag, damit weitern 62 Personen die Auswanderung ermöglicht werden sollte“.

 

Auch Zell hatte seine Auswanderer. Im dem Werk „Württemberg und Russland“ von Susanne Dietrich im Verlag DRW, Leinfelden-Echterdingen, ist folgendes zu lesen: „Im Jahr 1817 war die Bereitschaft, die Heimat zu verlassen, weitgehend auf das Gebiet Alt-Württembergs konzentriert…Von Zell nahmen gar 23 Familien Abschied…Die elende Lage der Bauern veranlasste schon im Jahr 1804 viele, Hab und Gut zu verkaufen, um ins südliche Russland auszuwandern…Die ersten Württemberger waren weniger aus materiellen Gründe ausgewandert, sondern aus religiösen. Mit neuen liturgischen Ordnungen war 1791 und 1809 sehr stark in die religiöse Sphäre der Gläubigen eingegriffen worden. Viele Württemberger lehnten den neuen, vom Staat verordneten Kirchengeist ab. Hatten der Pietismus und auch mystische Schwärmerei bis dahin eine starke Anziehungskraft besessen, so war dies im Rahmen der evangelisch-lutherischen Landeskirche geschehen“.

 

 

Entwicklung der Einwohnerzahlen durch politische Ereignisse

 

Wie in ganz Deutschland ist auch die Entwicklung der Einwohnerzahl in Zell von drei politischen Ereignissen mit geprägt. Durch Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg verloren 12,5 Millionen Menschen ihre Heimat.  In Zell stieg die Zahl aus der Vorkriegszeit (1939) von 1.544 auf 2.134 Einwohner im Jahr 1950.

 

Die zweite, zahlenmäßig kleinere, Zuwanderungswelle gab es 1989 mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, der Europa von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer politisch in Ost und West teilte.

Eingeleitet wurde diese Entwicklung mit der Grenzöffnung zwischen Ungarn und Österreich, in deren Verlauf am Ende die DDR von der politischen Bühne verschwand.

 

Mit dem 2011 begonnen Bürgerkrieg in Syrien stieg die Zahl der Flüchtlinge die in den vier Nachbarstaaten Schutz suchten. Ziel vieler Flüchtlinge war Europa. Neben der Mittelmeerroute von Afrika rückte der Landweg über den Balkan in den Vordergrund. Vorläufiges Ende des Landwegs, der auch von Afrikanern und Afghanen benutzt wurde,  war Ungarn. Als Ungarn seine Grenzen schloss, führte dies zu chaotischen Zuständen.

 

In einer gemeinsamen Aktion unter der Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel entschlossen sich Deutschland, Österreich und Ungarn, die Flüchtlinge nach Westen reisen zu lassen. In der Bundespressekonferenz am 31. August 2015 erklärte die Bundeskanzlerin wörtlich: „Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv mit dem wir an die Dinge heran gehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das!“

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