Zell am Neckar... ...mehr als nur ein Stadtteil von Esslingen
Zell am Neckar......mehr als nur ein Stadtteil von Esslingen

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Gemeindereform und Eingemeindung

In den 1970er Jahren warf die vom Land aufgesetzte Gemeindereform ihre Schatten auch in den mittleren Neckarraum voraus. Bereits ab dem 26.06.1970 haben die örtlichen Verwaltungen der Gemeinden Altbach und Zell Überlegungen angestellt, wie eine Großgemeinde zwischen Esslingen und Plochingen etabliert werden könnte. Bereits am 27.07.1970 beteiligte sich auch die Gemeinde Deizisau an diesen Überlegungen.

 

Die Gemeinde Zell am Neckar stand zum damaligen Zeitpunkt unter den Städten und Gemeinden des Kreises Esslingen hinsichtlich der Steuerkraft an dritter Stelle. Mit ihren damals rund 4000 Einwohnern war die Gemeinde Heimat von rund 80 Industrie- und Gewerbebetrieben, in denen ungefähr ca. 1500 Menschen arbeiteten. Trotz dieser guten Zahlen wurde bereits am 10.12.1971 von Deizisauer Seite aus signalisiert, sich nicht mehr an den Überlegungen zu beteiligen und weiterhin eigenständig bleiben zu wollen.

 

Noch im ersten Quartal des Jahres 1972 war man sich zumindest noch in Zell und Altbach einig, in gemeinsamen Bemühungen eine neue Einheitsgemeinde zu bilden. Für einen Zusammenschluss plädierten im Rahmen einer Bürgeranhörung am 26. März 1972 auch weite Teile der Einwohnerschaft. In Altbach waren 91,7 Prozent und in Zell gar 95,1 Prozent der abgegebenen Stimmen für die Bildung einer neuen Gemeinde.

 

Leider kam dann auch aus Altbach Anfang des Jahre 1974 eine Absage an den Zusammenschluss. So blieb der Gemeindeverwaltung von Zell angesichts der Gemeindereform nur noch die Flucht nach vorn. Wie in Berkheim, so kam auch in Zell die Erkenntnis, dass man der Gemeindereform nur noch durch eine „freiwillige“ Eingemeindung nach Esslingen entkommen konnte.

 

Am 29. Mai 1974 unterzeichneten daher Oberbürgermeister Eberhard Klapproth und Bürgermeister Erich Kenner die Eingliederungsvereinbarung für Zell, deren Text sich inhaltlich stark an die von Berkheim in zähen Verhandlungen errungenen Zugeständnisse anlehnt und auch für Zell dann noch das Beste aus der gegebenen Situation gemacht hat. Der seit 1948 in Zell amtierende Bürgermeister Erich Kenner gehörte am Tag der Unterzeichnung der Eingemeindungsvereinbarung sicher nicht zu den glücklichsten Menschen auf der Welt. Duch diesen Schritt wurde er dann zum ersten Ortsvorsteher in der Geschichte des neuen Esslinger Stadtteils Zell.

 

Wie für die Berkheimer änderte sich auch für die Zeller mit der Eingliederung der Gemeinde in die Stadt Esslingen zunächst praktisch nichts. Das Zeller Rathaus war weiterhin für die örtliche Bevölkerung in allen verwaltungsseitigen Belangen zuständig. Lediglich die bisher beim Landratsamt liegenden Umfänge wurden auf die Stadtverwaltung nach Esslingen verlagert. Geringfügig umdenken musste die Bevölkerung erst einmal nur im Postverkehr. Die Adresse änderte sich von „7301 Zell am Neckar“ ab dem 1. Juli 1974 in7300 Esslingen-Zell“.

 

Drei Vertreter des bisherigen Zeller Gemeinderates wurden ab dem Eingemeindungsdatum in den Esslinger Gemeinderat abgeordnet, um die Entwicklung von Zell weiterhin voranzubringen. Dies waren der Architekt Dipl.-Ing. Heinz Häfele, der Elektromeister Adolf Luik und der Schreinermeister Robert Mäckle. Dadurch vergrößerte sich zum 1. Juli 1974 die Zahl der Stadträte zuerst ein mal auf 45 Personen. Nach der nächsten Gemeinderatswahl am 20. April 1975 war Zell im EssIinger Rat auf Basis der unechten Teilortswahl gesichert durch zwei Vertreter repräsentiert.

 

Nachstehende Veröffentlichung zur Integration von Zell am Neckar nach Esslingen erschien im Sommer 1974 im Zeller Mitteilungsblatt:

 

 

Liebe Bürgerinnen und Bürger in Zell am Neckar,

 

die Vereinbarung über die freiwillige Eingliederung der Gemeinde Zell am Neckar in die Stadt Esslingen am Neckar tritt am 1. Juli 1974 in Kraft. Damit werden die mit großer Mehrheit gefassten Beschlüsse der beiden Gemeinderäte verwirklicht. Nach der Vereinbarung mit der Gemeinde Berkheim ist dies ein weiterer Schritt, die Zielplanung der Landesregierung für den Raum Esslingen durch vertragliche Einigung auf Selbstverwaltungsebene zu erfüllen.

 

Der Verzicht auf die eigene Entscheidungsfreiheit und Selbständigkeit bedeutet ein Opfer für jede Gemeinde. Insbesondere die älteren Einwohner von Zell am, Neckar werden für eine gewisse Übergangszeit mit Wehmut vermerken, dass nunmehr der Name ihrer Gemeinde mit einem auf die Zugehörigkeit nach Esslingen verweisenden Zusatz erscheint. Diese amtlichen Änderungen werden jedoch den Menschen in Zell und Esslingen bei ihren täglichen Begegnungen geschäftlicher und geselliger Art kaum ins Bewusstsein treten.

 

Überdies wird die Ortsverwaltung in Zell auch weiterhin die am häufigsten beanspruchten Verwaltungsleistungen darbieten. Vor allen Dingen aber wird durch die Bildung größerer Verwaltungseinheiten - das ist der eigentliche Zweck der Gemeindereform – die Leistungsfähigkeit der Kommunen gesteigert, um den wachsenden Ansprüchen der Bürger auf Güter des Gemeinbedarfs gerecht werden zu können.

 

Wir wünschen dem neuen Stadtteil Zell ein herzliches Willkommen in Esslingen und eine gedeihliche Weiterentwicklung. Mögen die seit Generationen gewachsenen Bindungen zwischen den Menschen in Zell und Esslingen die Grundlage für ein gutes und rasches Zusammenwachsen beider Einheiten sein.

 

E. Kenner E. Klapproth

Bürgermeister Oberbürgermeister

 

Am 28.Juni 1974 fand dann die letzte Gemeinderatssitzung des Zeller Gemeinderates unter der Leitung von Bürgermeister Erich Kenner statt.

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