Zell am Neckar... ...mehr als nur ein Stadtteil von Esslingen
Zell am Neckar......mehr als nur ein Stadtteil von Esslingen

Wehrpflichtige aus Zell

Die Gründung der Deutschen Bundeswehr am 05.05.1955 war durch das erst 10 Jahre zurückliegende Kriegsende von heftigen kontroversen Diskussionen begleitet. Bundeskanzler Konrad Adenauer begrüßte am 20.01.1956 die ersten freiwilligen Soldaten in Andernach. Am 21.07.1956 beschloss der Deutsche Bundestag das Wehrpflichtgesetz. Die ersten Wehrpflichtigen wurden 1957 eingezogen. Von 1957 bis 1962 betrug die Wehrpflicht 12 Monate. Im April 1962 wurde die Dienstzeit auf 15 Monate und im Juli 1962 auf 18 Monate verlängert. Hintergrund dieser Entschei-
dungen waren der Bau der Berliner Mauer und die Cuba Krise. Später wurde die Dienstzeit wieder schrittweise verkürzt und lag bei der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 bei sechs Monaten. In den ersten vier Jahren nach Einführung der Wehrpflicht wurden insgesamt 265.000 Männer im Alter von 18 bis 23 zum Wehrdienst einberufen. 1973 gab es mit 229.005 die meisten zum Wehrdienst Einberufenen.


Mit dem Inkrafttreten des Wehrpflichtgesetzes musste ab 1957 jeder deutsche männliche Staatsangehörige, zwischen 18 und 23 Jahren damit rechnen, dass er einen Bescheid vom Kreiswehrersatzamt mit seinem Musterungstermin bekam. So wie vielen jungen Zeller Männern erging es auch Helmut Mäckle. Gemeinsam mit einigen Leidensgenossen fuhr er in Begleitung des damaligen Bürgermeisters Erich Kenner, auf der Ladefläche eines offenen Wagens zur Musterung, bei der es um die Tauglichkeit für den Wehrdienst ging. Helmut Mäckle wurde für Wehrdiensttauglich
begutachtet und 1958 zu den Fernmeldern nach Dillingen eingezogen. Nachdem er das ordentliche und zackige militärische Grüßen gelernt hatte, durfte er dann auch seine Uniform in Zell ausführen.


Die Begeisterung über die Einberufung hielt sich bei den Wehrpflichtigen in Grenzen. Bedeutete sie doch eine Einschränkung der persönlichen Freiheitsrechte und das Verlassen der gewohnten Umgebung. Entsprechend war die Motivation, mit der sich viele Wehrpflichtige der neuen Aufgabe stellten. Laut Umfragen hielten 47,3% den Wehrdienst für sinnlos. 39,4% sahen darin eine Pflicht, der sie nachkommen wollten. 13,3% betrachteten den Wehrdienst als sinnvoll. Zu den Gegnern der Wehrpflicht gehörte auch der Zeller evangelische Pfarrer Dietrich Köhler (1966 bis 1979), der Wehrdienstverweigerer bei der Wahrnehmung ihrer Rechte beraten hat.

Der Wehrdienst bedeutete den Auszug aus dem Hotel Mama. Von nun an kümmerte sich der Spieß, als die Mutter der Kompanie, um die jungen Soldaten. Dies war ein Feldwebel-Dienstgrad, der in der Kompanie den Innendienst leitete und Sauberkeit und Ordnung in den Unterkünften überwachte. Er war es auch, der die Wachdienste einteilte, womit er sich speziell mit Wochenenddiensten wenig Freunde schuf. Der Wehrdienst bedeutete neben den daraus resultierenden
Dienstpflichten auch einen erheblichen Einschnitt bei den Finanzen. Ein Wehrpflichtiger bekam eine freie Unterkunft und Verpflegung. Seine Dienstkleidung wurde ihm zur Verfügung gestellt. Außerdem hatte er Anspruch auf freie Heilfürsorge.

 

Sein Gehalt, das nun Wehrsold hieß, betrug 2,00 DM pro Tag.Eine Flasche Bier kostete damals 0,60 DM und für die Zwölferpackung HB war 1,00 DM fällig.
Wer also keine Ersparnisse hatte, oder von seinen Eltern gesponsert wurde, konnte keine großen Sprünge machen. Wer rauchte, und das waren damals bei der Bundeswehr fast alle, drehte sich seine Glimmstängel selber oder stieg auf Pfeife um. Beim Spaziergang mit der Freundin reichte es gerade noch zu einer Kugel Eis. Eindruck konnte man angesichts der Finanzen bei der Weiblichkeit kaum schinden. Im letzten Jahr der Wehrpflicht, die am 01. Juli 2011 ausgesetzt wurde, betrug der Tagessatz für einen Wehrpflichtigen etwas über 10 Euro.

Text: Hans-Joachim Bosse, Bilder: Helmut Mäckle

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