Zell am Neckar... ...mehr als nur ein Stadtteil von Esslingen
Zell am Neckar......mehr als nur ein Stadtteil von Esslingen

Die schieferverkleideten Häuser in Zell

Schön, dass es in Zell auch noch wertvoll verkleidete Gebäude, gut erhalten und gut gepflegt, gibt.

 

Auch in den Nachbarorten, Altbach, Plochingen, Oberesslingen und in Ostfildern
sind noch einige dieser schmucken Fassaden zu finden.

 

Wie kommt es, dass diese so aufwendige Hausverkleidung doch recht häufig in

unserer Region zu finden ist ?


Hier die Geschichte: Der Schieferdeckermeister Karl Kaiser ging, wie es damals
üblich war, auf die Wanderschaft. Man suchte immer wieder Tätigkeiten für die
Fortbildung im erlernten Handwerk und für den eigenen Unterhalt. Wichtig das
Sammeln von Kenntnissen und der Austausch von Erfahrungen. Arbeitgeber und der Wanderbursche konnten voneinander profitieren.


Bei unserem Karl Kaiser kam aber noch ein weiterer Aspekt hinzu. Er verliebte sich
hier in Esslingen in ein Mädchen, das seinem Leben einen festen Platz gab.
Er heiratete selbige und gründete einen Schieferdeckerbetrieb für Fassadenschutz.
Sein Slogan war: „Ein bisschen mehr investieren und 100 Jahre nicht mehr sanieren“.


Er war überaus erfolgreich. Wegen der hohen Qualität und Langlebigkeit seiner
Fassaden sind sie heute noch ein Zeugnis jener Zeit. Merkmal seiner Arbeit ist fast
immer die Jahreszahl der Entstehung und es beeindruckt die schmucke, ja
künstlerische Gestaltung der geschützten Flächen. Ein weiterer Vorteil dieser Fassaden ist sicherlich die gute Isolierung durch den Holzunterbau und die damit verbundene Durchlüftung, die wiederum Hauswand und Fassade trocken hält.

 

 

Doch woher kam Karl Kaiser? Seine Heimat war Thüringen, vermutlich pflegte er
wirtschaftliche Beziehungen zu seiner Heimatregion. So hat er sein Schiefermaterial
immer aus Thüringen bezogen, nicht aus der Nähe zum Beispiel Holzmaden.
Karl Kaiser begründete dies mit der besseren Verarbeitbarkeit des „Thüringer
Schiefers“.


Überliefert ist, dass sein Handwerksbetrieb von 1888 bis 1924 existierte. Leider fand er wohl keinen Nachfolger.


Manfred Maaß
12.05.2020

 

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