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Erfolgreicher Widerstand gegen Müllverbrennungsanlage in Sirnau auch dank Zeller Mitwirkung


Ein Müll-Krimi mit Happy End
MVA – hinter diesen drei Buchstaben verbirgt sich eine für den Landkreis Esslingen beinahe unendliche Müllgeschichte: Es hätte nämlich nicht viel gefehlt, dann stünde heute vor unserer Haustür eine überdimensionierte Müllverbrennungsanlage (MVA) oder die Ruine einer technisch nicht ausgereiften Thermoselect-Anlage.

 

In den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts plante der Landkreis Esslingen zunächst in Kirchheim/Teck und dann, nach massivem Widerstand der Bevölkerung dort, im Gewerbegebiet Esslingen-Sirnau eine MVA mit 150.000 Jahrestonnen Kapazität. Also direkt vor unserer Haustür.

 

Das Neckartal war durch die stark befahrene Bahnstrecke Stuttgart – Ulm, die vierspurige B 10 (die auf sechs Spuren hätte erweitert werden müssen), die Einflugschneise des Flughafens und die schon bestehenden Industrieanlagen der Neckarwerke bereits stark belastet, so dass es auch in Esslingen, Zell und Sirnau sowie in den umliegenden Gemeinden Altbach, Deizisau, Plochingen starken Widerstand gegen dieses Großprojekt gab.


Schon bei der Standortsuche waren im Kreis über 20.000 Unterschriften von Müllverbrennungsgegnern zusammen gekommen und es bildeten sich nun Bürgerinitiativen in Esslingen und den anderen betroffenen Gemeinden. Ein Sternmarsch der Gegner aus dem Neckartal mit 6.000 Teilnehmern zum Hofgut Sirnau im September 1992 stand unter dem Motto „Müll vermindern, Verbrennung verhindern“.

 

 

Trotz aller Widerstände aus der Bevölkerung genehmigte das Regierungspräsidium Stuttgart im Oktober 1994 Bau und Betrieb einer Müllverbrennungsanlage und ordnete den Sofortvollzug an. Begründung: Es drohe sonst der Müllnotstand im Kreis.

 

 

Doch dieser Müllnotstand trat nicht ein: Die Bürger haben gesammelt, getrennt, gespült und Einbußen an Komfort hingenommen. Die Müllmengen im Kreis sanken und das so drastisch, dass die geplante MVA mit zugekauftem Müll hätte betrieben werden müssen. Außerdem wurde zur selben Zeit in Stuttgart-Münster die bestehende Müllverbrennungsanlage grundlegend erneuert und erweitert.

 

Aufgrund des massiven Widerstands und der Aussetzung des Sofortvollzugs durch das Regierungspräsidium als Folge einer Petition kippte der Kreistag den Beschluss, eine eigene MVA zu bauen. Man ging stattdessen eine „Müllehe“ mit Stuttgart ein, um den Hausmüll in Stuttgart-Münster entsorgen zu lassen.


Damit war der beinahe unendliche Esslinger Müll-Krimi nach über 20 Jahren erbittertem Streit und massivem Widerstand beendet.

 

Alrun Nüßle

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