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Vertreibung aus Pommern

Manfred Maaß wohnt mit seinen Angehörigen seit ca.50 Jahren in Zell. Er hat als DIplom-Ingenieur gearbeitet und engagiert sich als Seniorexperte für technische Projekte, die seiner früheren Berufswelt nahe sind. Und auch bei der Geschichtswerkstatt Esslingen-Zell . Manfred Maaß erinnert sich an Flucht und Vertreibung aus Pommern im Jahr 1945. Noch heute hält er Kontakt zu den Besitzern seines ehemaligen Zuhauses in Polen.

 

Die Schilderungen der damaligen Geschehnisse sind teilweise entsetzlich und grausam. Doch ich möchte aus meiner Sicht alle entscheidenden Ereignisse zu unserer Flucht und Vertreibung niederschreiben.

 

Ich bin im Februar 1941 in einem kleinen Dorf bei Köslin in Pommern geboren worden. Ich war das vierte Kind von fünf Geschwistern. Meine Eltern bewirtschafteten einen Bauernhof.

 

Meine früheste bewusste Erinnerung ist der Besuch eines Onkels kurz vor Weihnachten 1944. Er hatte mich in die Luft geworfen und wieder aufgefangen - das war ein besonderes Erlebnis für mich. Kurz nach Weihnachten 1944 wurde mein Vater zum Volkssturm einberufen. Die Sorge und Unruhe, die alle Erwachsenen und auch die größeren Kinder zu diesem Weihnachtsfest erfasste, habe ich nicht wahrgenommen.

 

Schon wenige Wochen danach mussten wir uns entscheiden, ob wir aus Pommern fliehen oder bleiben. Weil wir eine Landwirtschaft betrieben, zögerten meine Mutter und ihr Schwiegervater, den Hof zu verlassen. Die Versorgung wurde jedoch immer schlechter. Im Vorfeld war meine jüngste Schwester gestorben. Meine Mutter erklärte mir später, es habe zu diesem Zeitpunkt schon keine ärztliche Versorgung mehr gegeben, und so seien auch einfache Kinderkrankheiten oftmals tödlich verlaufen. Nun war ich der Jüngste.


Sehr plötzlich eines Morgens war der Aufbruch. Das letzte Pferd wurde vor einen Wagen gespannt. Ich wurde auf Gepäckstücke gesetzt. Ob alle, Opa, Mutter und wir vier Kinder auf dem Wagen Platz hatten oder laufen mussten, weiß ich heute nicht mehr. Das Gespann fuhr nach Westen, in Richtung Stettin, in vermeintlich sicheres Gebiet. Doch schon nach wenigen Stunden stockte die Fahrt. Die Russen hatten uns auf anderen Straßen überholt und waren nun vor uns. Deutsche Soldaten sperrten die Straßen. Nun übernahm meine Mutter die alleinige Regie: Wir fuhren zurück. Im Dunkeln kamen wir wieder zu Hause an. Der Hof stand voll mit Flüchtlingswagen, vorwiegend aus Ostpreußen. Wir konnten nicht mehr in unser Haus zurück. So fuhren wir weiter zu Nachbarn, die ihr Anwesen nicht verlassen hatten, schilderten die Situation und konnten dort die Nacht verbringen.


Am folgenden Tag versuchte meine Mutter, wieder in unser Haus zu kommen und es gelang ihr auch, Viele waren bereits weiter gezogen. Es herrschte überall Chaos und Angst, denn wir waren im pommerschen Kessel eingeschlossen. Die Front kam näher, wir hörten Schüsse - immer lauter. Wir vier Kinder saßen um meine Mutter herum auf einem Bett in einem Kinderzimmer im hinteren Hausteil und warteten voller Angst.

 

Dann wurde es still, sehr still, wir wussten die deutschen Soldaten hatten sich zurückgezogen. Wir waren jetzt zwischen den Fronten. Plötzlich fing unser Hofhund wieder an zu bellen. Wir hörten einen Schuss, und dann war es wieder lange still. Plötzlich gab es harte Schläge gegen die Haustür. Uns unverständliche laute Worte wurden gerufen. Wir blieben, wo wir waren. Schüsse fielen, es kamen wohl russische Soldaten ins Haus. Wieder laute Worte, wieder Schüsse, ein Schlagen und die nächste Tür wurde aufgetreten. Dann waren die Soldaten vor unserem Zimmer. Wieder laute Rufe, wir waren ganz still. Dann wurde durch die Tür in unser Zimmer geschossen, die Tür aufgeschlagen. Ich glaube, zwei Soldaten standen vor uns und schrien uns an.

 

Dann geschah etwas, worüber wir als Kinder oft diskutierten. Unsere Mutter beendete diese Gespräche immer energisch: Nach meiner Erinnerung wollten die russischen Soldaten unsere Mutter von uns Kindern trennen und mitnehmen. Wir Kinder, zwischen vier und zehn Jahre alt, erfassten die Situation und klammerten uns an unsere Mutter. Man schlug nach uns, man trat nach uns, man schlug mit den Gewehrkolben nach uns. Die Soldaten konnten uns schreiendes menschliches Bündel aber nicht trennen. Sie schleiften uns bis zur Tür, da ging es mit uns aber nicht hindurch. Dann ließen sie plötzlich von uns ab.

 

Auf unserem Hof standen noch mehrere Pferdewagen mit Flüchtlingen, die wie wir dem Schicksal ergeben waren. Die Soldaten durchsuchten die Wagen und wir hörten schreckliche Schreie. Meine Mutter sagte, wir sollen uns die Ohren zuhalten. Beim Übergriff der Soldaten waren wir verletzt worden. Wir stellten fest, dass wir nur viele blaue Flecken und Abschürfungen davontrugen, zum Glück aber keine Knochenbrüche und wohl auch keine inneren Verletzungen erlitten hatten. Ich erinnere mich daran, dass wir uns glücklich schätzten, so glimpflich aus der Situation herausgekommen zu sein.

 

Die Tage vergingen, und meine Mutter versteckte sich immer wieder. Ein Geschehnis aus späteren Erzählungen meiner Geschwister ist mir fest in Erinnerung geblieben: Russische Soldaten kamen in unser Haus und befahlen meiner Mutter, am nächsten Tag auf die örtliche Kommandantur zu kommen – falls sie nicht käme, würde sie erschossen. Es war bekannt, dass Frauen dort vergewaltigt wurden, manche kamen gar nicht mehr zurück, sondern wurden in russische Arbeitslager verschleppt. Meine Mutter ging nicht zur Kommandantur. Sie hatte danach aber immer wieder stark fatalistische Aussagen, die uns alle sehr ängstigten.

 

Ein Ereignis kenne ich nur aus den Erzählungen meiner Brüder: Eine Gruppe russischer Soldaten sei in unser Haus gekommen. Sie durchsuchten es, wie immer. Dann mussten wir uns alle im Wohnzimmer an einer Wand aufstellen, neben einem Bild mit einem christlichen Motiv, das meine Eltern zur Hochzeit im Jahr 1933 geschenkt bekommen hatten. Es ist nicht geklärt, ob meine Mutter auch an der Wand stehen musste oder gerade wegen ihres Fehlens folgendes geschah: Die Soldaten hätten eine Erschießung angedeutet. Dann fielen viele Schüsse, aber wir lebten noch. Drei der Kugeln trafen das Bild, Jesus in die Brust, ein Schäfchen im Hals und am Bildrand einen Apfel eines dargestellten Bäumchens. Die Soldaten hätten schrecklich gelacht und verschwanden. Das Bild sollte später noch eine Rolle spielen bei der Versöhnung mit einer polnischen Familie, die unseren Bauernhof übernahm.

 

Einige Wochen nach den russischen Soldaten kamen die Polen in unser Dorf. Meine Mutter sagte, schlimmer als die Russen können sie nicht sein. Das war ein Irrtum. In der Zwischenzeit wurden die so genannten Jalta-Vereinbarungen umgesetzt. Darin war vorgesehen, die polnische Ostgrenze und die deutsche Ostgrenze nach Westen zu verschieben. Die Polen gingen in unserem Dorf mit großer Brutalität vor. So gab es in unserem Ort noch einen deutschen „Übergangsbürgermeister“, ein Kriegsinvalide, der, wie meine Mutter sagte, das Amt geordnet übergeben wollte. Die Polen nahmen ihn fest und quälten ihn drei Tage lang immer wieder so, das seine Schreie weit im Ort zu hören waren. Dann ist er wohl zu Tode gekommen.

 

Die Polen wollten damit ihre Macht demonstrieren und erreichen, dass die verbliebenen Deutschen schnellstens den Ort verlassen. Diese erste Aktion brachte aber nicht den gewünschten Erfolg. Deshalb wurden alle deutschen Männer, die die Polen wohl noch für wehrfähig hielten, festgenommen und in ein Haus gebracht. Dort wurden alle Fenster und die Tür verschlossen und vernagelt. Dann wurde das Haus angezündet. Ich fragte meine Mutter und meine Brüder später, welche deutschen Männer zu dem Zeitpunkt noch im Ort gewesen waren – es waren Kriegsinvaliden, erwachsen wirkende Jugendliche und ältere Männer, die nicht zum Volkssturm eingezogen worden waren. Weiter bekamen wir zu hören, dass ein Teil der eingesperrten Männer wohl unbemerkt aus einem Kellerfenster entkommen konnten. Zahlen sind mir nicht bekannt.

 

Wir lebten weiter in großer Angst auf unserem Hof. Doch bald waren wir an der Reihe. Eines Abends stand eine bewaffnete Gruppe Polen vor der Haustür. Ich glaube, es war eine Art von Miliz. Sie befahlen uns, wir sollen bis zum nächsten Morgen um 7 Uhr alle verschwunden sein, sonst würde es uns schlecht ergehen. Ich habe noch mitbekommen, dass meine Mutter und meine Geschwister vermeintliche Wertsachen unter dem Fußboden versteckten. Am nächsten Morgen blieben wir im Haus und warteten auf die Dinge, die da kommen sollten. Kurz nach sieben kam die polnische Gruppe und bedrohte uns, weil wir noch nicht verschwunden waren. Jetzt wäre die Haustür für uns verschlossen. Wir sollten durch ein Fenster verschwinden oder Prügel bekommen. Ich weiß nicht, ob wir durch ein Fenster das Haus verließen oder mit Prügel durch die Haustür liefen.

 

Wir kamen im Gemeindehaus unter, dort wurde uns ein Raum oder eine Fläche des Saales zugewiesen. Meine ältere Schwester weiß wohl noch mehr von der Geschichte, aber ich möchte sie nicht mehr befragen. Ich will ihr nicht die damaligen Erlebnisse ins Gedächtnis zurückbringen.

 

Meine weiteren Erinnerungen sind: Deutsche durften nur in einem bestimmten Laden in der nächstgrößeren Stadt, Köslin, etwas kaufen. Das war eine große Hürde für uns. Für meine Mutter war es zu gefährlich, mein ältester Bruder mit zehn Jahren schied aus einem anderen Grund aus: Er konnte leicht als junger Erwachsener gelten. So machte der zweitälteste Bruder mit neun Jahren die Besorgungen, vorbei an den Kontrollposten der Milizen.


An ein Ereignis vor dem Gemeindehaus erinnere ich mich noch sehr genau: Ich kam hinzu, wie meine Brüder mit anderen Jungen auf einem Brett vor dem Haus sich mit etwas beschäftigten, was ich nicht gleich einsehen konnten. Sie forderten mich auf, näher zu kommen. Entsetzt sah ich, wie sie Regenwürmer zerteilten, die sich auf dem Brett wanden. Mir wurde erklärt, dass man aus einem Wurm mehrere machen konnte, die Teile könnten einzeln weiterleben. Ich fand das schrecklich. Meine Gedanken waren: Die Polen quälen uns und wir quälen die Regenwürmer.


Wenn möglich, schone ich heute diese Kreaturen im Garten, und wenn sie sich nach einem Regen auf eine Straße verirrt haben, versuche ich sie zu retten. Ein Dank an meine Frau, die mich noch nie dafür kritisiert hat!

 

Doch zurück in jene Zeit: meiner Mutter wurde schnell klar, dass wir im Gemeindehaus nicht bleiben konnten. Die Polen hätten sicher irgendwann eine Lösung für uns. Man hörte von englischen Schiffen, die an der Küste Deutsche sammeln und abtransportieren. Wir waren mit die ersten, die auf ein solches Schiff wollten. Eines Morgens war Abmarsch. Meine Mutter und meine Geschwister nahmen je einen Kopfkissenbezug als Rucksackersatz und trugen so unsere Habe. Ich mit meinen vier Jahren musste nichts schleppen. Ich erinnere mich aber an den Hinweis, dass ich mir meine Kräfte gut einteilen sollte. Notfalls könnte mich Niemand tragen.


Beim Abmarsch kamen die Kinder der Polen, die unser Haus übernommen hatten, zu uns und gaben uns ein Päckchen – die Fotos aus unseren Alben. Dann ging es einen Hügel hinauf, und wir konnten noch lange unser Haus sehen. Wir sahen oft zurück, bis unsere Mutter uns ermahnte, nur noch nach vorne zu sehen. Wir erreichten tatsächlich ein englisches Schiff. Es brachte uns nach Stettin. Diese Stadt war von Russen besetzt und fast menschenleer. Stettin wurde erst später den Polen übergeben.

 

Unsere Reise nach „Irgendwohin“ ging mit dem Zug weiter, ins heutige Schleswig-Holstein, genauer nach Kiel. Ich glaube, dieser Teil Deutschlands war überfüllt mit Flüchtlingen aus Pommern und Ostpreußen. Wir kamen in ein Lager nach Husum. Der Krieg war schon lange zu Ende. Mangel und schlechte Ernährung führten auch bei uns zu Krankheiten. Meine Schwester und ich kamen mit Typhus in eine Quarantäne-Krankenhaus-Baracke.

 

Meine Mutter machte sich auf die Suche nach unserem Vater. Das Deutsche Rote Kreuz half mit, dass sich Familien wieder finden konnten. Unser Vater war in englische Gefangenschaft geraten und arbeitete mittlerweile als Helfer auf einem Bauernhof in Niedersachsen. So fanden wir uns endlich in einer kleinen Wohnung bei Celle wieder.

 

Manch ein Bauer aus Pommern jetzt ohne Land erlernte auch noch spät einen neuen Beruf. Unser Vater träumte von einer Landwirtschaft in Niedersachsen. Doch das war eine Illusion. Meine Mutter brachte ihn schließlich davon ab.

 

Etwa 1949 kam einer meiner Brüder mit einer Südfrucht nach Hause. Es wäre ein Geschenk für eine Hilfeleistung gewesen. Meine Eltern waren nicht da, wir vier Kinder wollten uns diese Einmaligkeit aber sofort teilen. Die intensiv gelbe Farbe machte uns nicht misstrauisch. Diese Frucht - eine Zitrone - war aber so schrecklich sauer, dass wir lange Zeit kein Interesse mehr an Südfrüchten hatten.

 

Meine Eltern nahmen 1950 ein Angebot zur Übersiedlung ins Rheinland, in die französische Zone, die bisher keine Flüchtlinge in ihr Besatzungsgebiet gelassen hatte, an. Mein schulischer und beruflicher Weg nahm seinen Lauf: Volksschule, Lehre, Beruf. Auf dem zweiten Bildungsweg wurde ich Ingenieur und bekam meine erste Arbeitsstelle im Bildröhrenwerk Esslingen.

 

Ich zog nach Zell am Neckar und wohne nun schon die längste Zeit meines Lebens hier in Esslingen-Zell. Mein Bruder ist 40 Jahre später mit unseren Eltern nach Pommern zu unserem früheren Hof gefahren. Die polnischen Nachbesitzer baten alle erst zögerlich, doch dann freundlich ins Haus. Mein Vater sprach kein Wort. Meine Mutter weinte.

 

Im Wohnzimmer hing noch „das“ Bild an gleicher Stelle, scheinbar völlig unbeschädigt. Nach dem Hinweis meines Bruders, dass er dieses Bild kenne, bekam er die überraschende Antwort, das sei schon immer ihr Bild gewesen. Alle waren verblüfft. Mein Bruder erzählte von den Einschüssen, die jedoch nicht mehr zu sehen waren. Das Bild wurde abgenommen und näher untersucht. Auf der Rückseite waren die drei Durchschüsse noch zu erkennen.


Fünf weitere Jahre später, 1989, als Osteuropa im Umbruch war, haben meine Brüder, mein Sohn und ich unser pommersches Heimatdorf nochmals besucht. Ich hatte mich mit mehreren polnischen Sprachkursen darauf vorbereitet. Das kam gut an. Der Ort sah fast noch so aus wie früher. Die Durchschüsse an den Türen waren trotz Verspachtelungen noch zu erkennen. Die Besitzer unseres Hofes zeigten uns die Felder, die Ställe, den Garten und das Haus. Freundlich wurden wir hereingebeten. Im Wohnzimmer hing immer noch das Bild. Wir hätten es gerne gehabt. Der Mann der Familie sagte, er könne verstehen, dass wir großes Interesse an diesem Bild hätten, aber seine Mutter hänge sehr daran. Wir könnten es vielleicht irgendwann später einmal bekommen.


Es folgten weitere Besuche in Pommern und Gegenbesuche in Deutschland. Die polnische Familie und wir wurden zu Freunden. Sie erzählten uns, dass sie zwangsweise aus Ostpolen nach Pommern umgesiedelt worden waren. Jahre später erfuhr ich vom Tod der Mutter. Meine Frau und ich besuchten die Familie wieder. Das Bild im Wohnzimmer war weg. Es war in den Besitz der dortigen katholischen Kirche gelangt. Der Mann erzählte uns, seine Mutter habe es gegen einen Fürbitte-Gottesdienst der Kirche geschenkt. Der Pfarrer dort sei gegenüber Deutschen unkooperativ, und das Bild wäre für uns verloren.


Ich besuchte den Pfarrer und schilderte unsere Situation. Es bedurfte einer langen, langen Erklärung meines polnischen Freundes, meiner Frau und mir – und einer angemessenen Spende. So konnten wir das Bild doch noch entgegen nehmen, nicht ohne die besagten Durchschüsse zu zeigen, als Beleg unserer Geschichte.

 

Wir sind älter geworden, die wechselnden Besuche seltener. Auf sozialen Medien tauschen wir uns noch aus und nehmen so gegenseitig am Leben in Polen und in Deutschland teil. Ich danke meiner Mutter von Herzen. Sie hat uns, vier kleine Kinder, mit ihren damals 34 Jahren stets beschützt. Selbstlos, mutig, oft verzweifelt hat sie uns gerettet.

 

Später, als ich die vielen Suchanzeigen des Roten Kreuzes bezüglich kleiner Kindern sah, die allein umherirrten, wurde mir unsere damalige Lage bewusst. Was wohl aus uns geworden wäre, wenn wir unsere Mutter verloren hätten. Ich frage mich manchmal, ob ich bei den Ereignissen um die missglückte Flucht und die Vertreibung Schaden genommen habe? Ja! Ich habe in dieser Zeit irgendwann meine gesunde Sprache verloren und Jahrzehnte dafür benötigt, sie wieder zu erreichen. Und hinzu habe ich die Marotte mit den Regenwürmern bekommen.

 

Manfred Maaß

23.09.2019

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