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Der Bürgerkrieg in Syrien

Eine Zukunft in Deutschland

 

Bei dem Gespräch mit den drei aus Syrien Geflüchteten ging es hauptsächlich um die ersten Eindrücke, die sie in Deutschland hatten. Khaled Alziab stammt aus Idlib und die Brüder Iyad und Bassel haben in Damaskus gewohnt. Nachdem ihre Häuser in den Heimatstädten durch Bombenangriffe zerstört wurden, sahen sie in der Flucht die einzige Chance, ein sicheres Leben zu führen. Von Syrien aus flohen sie 2015 in die Türkei, nachdem die syrischen Grenzüberwachungen etwas gelockert wurden. Mit dem Schiff gelangten sie aus der Türkei nach Griechenland und von dort auf dem Landweg über die Balkanroute nach Deutschland. Auch sie haben an Hintermänner rund 3.000 Euro für die Vermittlung von Fluchthelfern gezahlt.

Rund 10 Tage waren sie unterwegs bis zu ihrer ersten Aufnahmestation in Nürnberg. Es folgte ein einmonatiger Aufenthalt in Ellwangen. Die nächste Station war dann die Turnhalle des Berufsschulzentrums in Zell, in der sie drei Monate wohnten. Hier haben sich die drei kennenlernten. Obwohl die Turnhalle mit Stellwänden provisorisch in kleinere Wohneinheiten abgeteilt war, führte die Enge und das Aufeinandertreffen von geflüchteten Menschen aus über 10 verschiedenen Kulturkreisen oft zu Konflikten.

Anschließend zogen Khaled Alziab, Iyad und Bassel in die neu errichtete Unterkunft “Robert-Koch-Straße“ um. Von dort aus gingen sie auf Wohnungssuche auf dem privaten Markt. Wobei die Wohnungssuche in Esslingen und Umgebung schwierig war. Einige der Geflüchteten fanden ihre Wohnung schneller in Stuttgart, so auch Khaled und Bassel(!). Alle drei sind inzwischen anerkannte Asylbewerber. Mit diesem Status durften sie in Deutschland eine Arbeit aufnehmen. Inzwischen haben sie alle einen festen Arbeitsplatz.

 

Ihre ersten Erfahrungen in Deutschland waren von der Bürokratie geprägt. Vom Antrag für einen Sprachkurs bis zum Beginn der ersten Deutschstunde dauerte es drei Monate. Als positiv wurde hervorgehoben, dass die in Deutschland bestehenden Gesetze eingehalten würden. Nicht nur die Bürger hielten sich an die bestehenden Regeln, sondern auch der Staat selber. Bei Verstößen mache der Staat auch nicht die Augen zu, wie es in Syrien zum Alltag gehöre, insbesondere wenn es um die Verstöße von Privilegierten gehe. Das Leben in Deutschland sei dadurch berechenbarer, bedeute Sicherheit für jeden Einzelnen und garantiere eine Gleichbehandlung und Freiheit, die es in Syrien nicht gegeben habe. In Deutschland könne man Vertrauen in den Staat haben. Deutschland biete Zukunftsperspektiven, die sie in ihrem Heimatland nie hatten, und so schnell wohl auch nicht bekommen werden, so die einheitliche Meinung der drei Geflüchteten.

 

Inzwischen ist die Ehefrau von Iyad im Rahmen der Familienzusammenführung über die Deutsche Botschaft legal aus Syrien nach Deutschland gereist. Die Familie hat in Esslingen eine Wohnung gefunden. Hier ist auch ihr erster Sohn geboren worden. Iyad spricht inzwischen ein sehr gutes Deutsch. Er ist IT-Ingenieur und arbeitet seit drei Jahren als IT-Techniker im gleichen Unternehmen.

 

Khaled Alziab arbeitet derzeit im Baugewerbe und möchte sich ebenfalls beruflich weiter entwickeln. Zuvor will er aber seine Deutschkenntnisse noch verbessern, bevor weitere Fortbildungen in Frage kommen.

 

Bassel ist bei Daimler-Benz Auszubildender im zweiten Lehrjahr. Durch seine täglichen Kontakte mit den deutschen Azubis und der Notwendigkeit im Berufsalltag ständig die deutsche Sprache anzuwenden, hat er sehr gute Sprachkenntnisse.

 

Alle drei Syrer sehen in Sprachkenntnissen die Grundvoraussetzung für die Eingliederung in den Alltag in einem andern Land. Als große Erleichterung für das Einleben in der neuen Umgebung sehen die drei Geflüchteten die Betreuung durch den Helferkreis in Zell.

 

Aufgeschrieben von Hans-Joachim Bosse nach einem Gespräch mit Khaled Alziab und den Brüdern Iyad und Bassel, die ihren vollen Namen nicht nennen möchten

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